Franziska Flückiger ist ein wahres Multitalent: Ob auf der Bühne oder auf dem Regiestuhl, sie liebt es, Geschichten zum Leben zu erwecken und Menschen mit Theater, Tanz, Gesang und Magie zu begeistern.

Ihr künstlerisches Rüstzeug erwarb sie unter anderem an der Swiss Musical Academy in Bern. Zudem verfügt sie über das Ballettdiplom «Elementary» der Royal Aca-demy of Dancing in London sowie über das Primarlehrerinnenpatent. Mit 32 Jahren entdeckte sie die faszinier-ende Welt der Zauberkunst und darin fand sie eine Möglichkeit, ihre künstlerischen Leidenschaften miteinander zu verbinden. Seit 2018 betreibt sie ihr eigenes kleines und feines Zaubertheater im Westen von Bern: Das Maisonette Magique. Ihr Motto: Theater darf berühren, überraschen und vor allem ganz viel Freude bereiten!

Franziska, wer bist du?
Eine Theatermacherin mit Leib und Seele, einer grossen Portion Kreativität und vermutlich mit viel zu vielen Ideen im Kopf. Ich liebe es, Men-schen zu begeistern, Geschichten lebendig werden zu lassen und das Publikum für einen Moment aus dem Alltag zu entführen. Ob mit Thea-ter, Tanz, Musik oder Zauberei – Hauptsache, es entsteht etwas, das berührt, überrascht oder zum Lachen bringt. Und wenn dabei noch ein bisschen Magie im Spiel ist, umso besser!

In deinem Curriculum findet man zahlreiche Engagements mit und für Kinder. Arbeitest du lieber mit Kindern oder Erwachsenen?
Das ist wie die Frage, ob ich lieber Schokolade oder Glacé mag! Beides hat seinen Reiz. Kinder sind unglaublich spontan, ehrlich und begeiste-rungsfähig. Sie hinterfragen alles und nehmen kein Blatt vor den Mund. Erwachsene bringen dafür Lebenserfahrung, andere Ausdrucksmög-lichkeiten und oft einen wunderbar schrägen Humor mit. Was ich an beiden liebe, ist die gemeinsame kreative Arbeit. Und ganz unter uns: Manchmal sind Erwachsene die grösseren Kinder.

Deine Leidenschaft gehört der Zauberei und der Musik. Was reizt dich da noch am gewöhnlichen Theater?
Gewöhnliches Theater, gibt es das überhaupt? Für mich ist Theater immer eine Form von Zauberei. Aus ein paar Worten und einer Handvoll Menschen entstehen plötzlich ganze Welten. Man lacht, leidet, liebt und fiebert mit Figuren mit, die es eigentlich gar nicht gibt. Das ist doch Magie pur! Ausserdem liebe ich die Arbeit an Charakteren, das Entwickeln von Szenen und das Zusammenspiel unterschiedlichster Persön-lichkeiten. Und wer sagt denn, dass ich meine musikalische und magische Ader dabei ganz unterdrücken muss?

Die Aarberger Bühne hat dich fast schon zu «Opal» genötigt. Eine altmodische und völlig unmusikalische Komödie. Wie ist das für dich, wenn du ein Stück aufs Auge gedrückt bekommst?
(lacht) Also, ganz so dramatisch war es nun auch wieder nicht! Aber ich gebe zu: «Opal» war nicht das Stück, das ich mir als erstes ausgesucht habe. Gerade das macht die Sache aber spannend. Ich liebe Herausforderungen und finde es reizvoll, einem Stück meinen eigenen Stempel aufzudrücken. Eine gute Komödie lebt schliesslich nicht davon, wie modern ihre Vorlage ist, sondern von den Figuren, dem Timing und den überraschenden Situationen. Und vielleicht steckt in dieser vermeintlich altmodischen Dame ja viel mehr, als man auf den ersten Blick ver-mutet?

Dürfen wir uns auf eine moderne Version mit auch Musik freuen?
Nun, ich möchte ja nicht gleich alle Geheimnisse verraten. (schmunzelt) Aber wer mich kennt, weiss, dass ich gerne mit Rhythmus (auch in der Sprache), Musik und überraschenden Einfällen arbeite. Allerdings muss alles dem Stück dienen. Ich werde aus «Opal» bestimmt kein Musical machen – versprochen! Aber ein bisschen frischer Wind, Tempo und die eine oder andere unerwartete Idee dürfte durchaus drin sein.

Franziska, wir kennen dich als wahre Frohnatur, immer aufgestellt und mit einem entwaffnenden Lachen. Kannst oder musst du bei der (Regie-) Arbeit auch anders?
Grundsätzlich bin ich als Regisseurin noch nie laut geworden. Warum auch? Theater ist ein gemeinsamer kreativer Prozess, bei dem wir Schritt für Schritt die Figuren entdecken, ihre Eigenheiten herausarbeiten und ihnen Leben einhauchen. Das braucht Zeit, Geduld und viel Vertrauen! Was mich allerdings schon ärgern kann, sind nicht gemachte Hausaufgaben. Wer seinen Text nicht beherrscht, kann sich kaum aufs eigentliche Spielen konzentrieren. Denn erst wenn die Worte sitzen, beginnt die spannende Arbeit an den Figuren. Alles andere darf wachsen, sich ent-wickeln und auch mal überraschen. Und dafür braucht es eine spielfreudige Truppe, die sich auf das gemeinsame Abenteuer einlässt.

Du wirst es mit Laien, teilweise sogar Bühnenneulingen, zu tun bekommen. Hast du keine Bedenken, welche Herausforderungen siehst du?
Überhaupt nicht! Ich habe schon viele Produktionen mit Menschen realisiert, die wenig oder gar keine Bühnenerfahrung mitbrachten. Und genau das kann unglaublich bereichernd sein. Oft schlummern da Talente, von denen die Betroffenen selbst noch gar nichts wissen. Meine Aufgabe sehe ich darin, diese hervorzulocken, Vertrauen zu schaffen und gemeinsam das Beste aus jeder Person herauszuholen. Natürlich braucht es Geduld, Disziplin und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Aber vor allem braucht es Spielfreude! Denn wenn eine Truppe mit Herzblut bei der Sache ist, kann etwas ganz Wunderbares entstehen. Und ich habe gehört, die Aarberger seien eine ziemlich wilde Bande, das kommt mir sehr entgegen.

Welches war dein schönstes Bühnenerlebnis?
Ui, das ist schwierig! In all den Jahren durfte ich so viele wunderbare Momente erleben. Grosse Musicalproduktionen, berührende Theater-aufführungen und magische Augenblicke. Aber die schönsten Erlebnisse sind für mich oft gar nicht die spektakulärsten. Es sind diese beson-deren Momente, in denen auf der Bühne plötzlich alles stimmt: Das Zusammenspiel, die Energie, die Reaktion des Publikums. Wenn man spürt, dass zwischen Bühne und Zuschauerraum etwas ganz Besonderes entsteht. Dieses Gefühl ist unbezahlbar und vermutlich der Grund, weshalb ich vom Theater einfach nicht loskomme?

Kennt eine Profi eigentlich auch Lampenfieber?
Aber selbstverständlich! Und das ist auch gut so. Lampenfieber gehört für mich dazu wie der Vorhang zur Bühne. Es zeigt, dass mir das, was ich tue, wichtig ist. Auch nach unzähligen Auftritten spüre ich vor jeder Vorstellung dieses Kribbeln im Bauch. Der Unterschied ist vielleicht, dass ich inzwischen besser wissen sollte, wie ich mit dieser Nervosität umgehen kann, aber das gelingt mir auch nicht immer gleich gut…

Ich danke dir für das Interview und wünsche dir viel Spass mit unserer geilen Truppe!
Herzlichen Dank! Ich freue mich riesig auf die Zusammenarbeit, auf kreative Höhenflüge, verrückte Einfälle, intensive Proben und hoffentlich ganz viele Lachanfälle.

Die Fragen stellte René Kühne